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Was wusste Großvater über Krebs? Ein Blick in den Brockhaus von 1929

grossvater_Krebs_Brockhaus_1929Krebs zu verstehen und zu beschreiben, ist auch im 21. Jahrhundert keine leichte Aufgabe. Wie schwer muss es dann erst unseren Vorfahren gefallen sein? Oder hatten sie es vielleicht leichter, weil ihnen die Details fehlten? Der Brockhaus von 1929* sieht zwar als Ursache von Krebs „… sehr wahrscheinlich ein Lebewesen, vielleicht in Verbindung mit chem. Reizen“ (!), beschreibt aber bereits die wesentliche Fähigkeit von Krebszellen, in umliegendes Gewebe/Organe zerstörend einzuwachsen. Auch die Kombination von Operation und Bestrahlung wird bereits als Therapieform genannt. Die Chemotherapie war zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt (der Begriff wurde 1906 von Paul Ehrlich geprägt), wurde jedoch zunächst als Mittel gegen Infektionskrankheiten gesehen. Originalbeitrag unter dem Text (Frakturschrift).

„Krebs (Carcinoma; nach den krebsfußartigen, vom Krebsgeschwür der Brustdrüse ausstrahlenden Aderschlängelungen), bösartige Geschwulst, durch krankhafte Wucherung von Zellen des Deckgewebes (Epithels) entstehend, zwischen denen Fasergewebe eingelagert ist. Beim harten K. (Scirrhus) überwiegt das Fasergewebe, beim weichen K. (Markschwamm, Hirn-K.) das eigentliche Krebsgewebe; nicht selten hat der K. drüsigen Bau. Der K. ist stets gefäßlos, bildet gewöhnlich Knollen oder Knoten, manchmal auch plattenartige Verdickungen, wächst zerstörend und schrankenlos in die Nachbarorgane und bewirkt durch Aussaat von Krebszellen auf dem Lymphwege oft schon sehr früh die Entstehung von Tochtergeschwülsten in anderen Organen (Krebsmetastasen). Die Geschwülste, besonders die großen, können zerfallen, vereitern und verjauchen (Krebsgeschwür). Bei Frauen kommt K. häufiger vor (an Gebärmutter, Brust) als bei Männern; bei letzteren ist Lippen-K. am häufigsten; Magen, Gallenblase, Darm, Blase, Kehlkopf werden danach am stärksten betroffen. Heilung nur durch sehr frühzeitige Operation; beim Gebärmutter-K. ist Operation und Röntgenbestrahlung gleichwertig. Dauerheilungen des K. 2-40 Proz. je nach Sitz, Zeitpunkt der Behandlung. Bei Vorhandensein von Tochter-K. ist Dauerheilung ausgeschlossen. Bei tödlichem Ausgang Krankheitsdauer 1-2 Jahre. Röntgenstrahlen, Radium oder Mesothoriumstrahlen sind Hilfsmittel für Nachbehandlung bei Operation oder Linderungsmittel bei inoperablem K. Ursache unbekannt, sehr wahrscheinlich ein Lebewesen, vielleicht in Verbindung mit chem. Reizen. Ansteckungsfähigkeit wenig wahrscheinlich, Erblichkeit möglich […].“

Quelle: Brockhaus, Handbuch des Wissens in vier Bänden, Leipzig, 1929, Band 2, 710. Hervorhebungen im Original vorhanden.

* Wobei man berücksichtigen muss, dass ein auf wenige Zeilen komprimierter Text in einem Lexikon nicht zwangsläufig den tatsächlichen Wissensstand einer Zeit wiedergibt.

Definition Krebs, Brockhaus in 4 Bänden, Band 2, 710, 1929

Definition Krebs; Brockhaus in 4 Bänden, Band 2, 710, 1929 (Dateigröße 2 MB)

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